Tagebuch aus dem Bildungsurlaub von Oliver Widmer - Juli/ August 2022

Liebe Leute, Freund*innen (Korrektur am 7. August - ein freundlicher Hinweis von meiner Tochter Aglaia), Kolleg*innen, Liebe Kinder und Jugendliche, Liebe Alle!

 

Ich bin dann mal weg!!!!

 

Mein 10 jähriges Jubiläum im Paradiso darf ich weit weg feiern. Ich verbringe meinen "Bildungsurlaub" in der Dominikanischen Republik. Dort werde ich in einem sozial Projekt in Santo Domingo mithelfen Hütten zu reparieren und Häuschen für haitianische Familien in der Dominikanischen Republik zu bauen. Wir versuchen Kindern aus dem Stadtteil Hatillo ein Zuhause zu bieten. Als Hauptteil werde ich ein Fussballcamp, während der schulfreien Zeit organisieren. Damit wir überhaupt Fussballspielen können werde ich mit den Kindern Goals bauen und den Platz fussballtauglich machen. An 2 Tagen werden wir mit einem Car mit den Kindern aus den Armenvierteln einen Ausflug ans Meer machen. Ich freue mich sehr auf diese Zeit. Vom 2. Juli bis am 25. September bin ich für DICH/ EUCH/ SIE darum nicht erreichbar. Während meiner Abwesenheit wird Philip Zoller die Ansprechperson Nr. 1 sein im Paradiso: zoller@refk-reinach.ch/ 079 387 69 14.

 

Ich werde regelmässig auf dieser Homepage von meiner Reise berichten. Interessierte dürfen gerne regelmässig reinschauen!

 

Infos zum Projekt: https://www.prosol.store

 

Bis bald 

 

EUER  OLIVER WIDMER

 

 

Vom 25. Juli bis am 30. August werde ich regelmässig aus der Dominikanischen Republik berichten. Ich verbringe einen Teil von meinen Bildungsurlaub dort.

Willkommen bei Rayitos de Solidaridad!!!! 

https://www.prosol.store 

23. Juli 2022

 

Die Nervosität steigt - in 48 Stunden bin ich in der Luft; auf dem Weg via Madrid nach Santo Domingo. Dank der grosszügigen Unterstützung der Reformierten Kirche, werde ich nicht mit leeren Händen an meinem Zielort ankommen. Ich werde einiges an Fussball Trainingsmaterial mit dabei haben. Danke auch dem FC Therwil für seine Unterstützung!

 

Ich freue mich sehr auf meine Abenteuer und grüsse euch ALLE herzlich! 

 

Bis bald

Oliver

26. Juli 2022

Ich bin gestern Abend spät in Santo Domingo - Hatillo angekommen, alle Koffer und sämtliches Fussballmaterial mit dabei. Lice und Peter haben mich am Flughafen abgeholt und Julian, der Fahrer hat uns sicher in unser Zuhause in Hatillo gebracht. Der Abreisetag war schwierig für mich. Ich musst mich von meinen Liebsten verabschieden. Erst auf der Reise wurde mir bewusst, wie lange ich meine Familie nicht sehen werde. Ich bin sehr froh, dass ich hier eine vertraute Basis habe mit Peter und Lice und dem wunderbaren Haus auf einem grünen Hügel. Hier kann ich landen und meine Gedanken ordnen. Das Schreiben hilft mir dabei sehr.

Heute werde ich nichts tun, ausser schreiben, schlafen, kochen und essen. Lice ist bereits auf dem Weg auf die Finca. Sie wird jeden Morgen von einem Töfftaxi abgeholt. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht; um 7:30 in der Früh. Die Finca lassen wir heute noch aus. Am Nachmittag werden wir eine alte Bekannte besuchen. Dazu eine kleine Geschichte: Immer wenn Peter aus der Dom. Red. nach Hause kommt bringt er wunderbare, salzige "Erdnüsse" von Olga (ich glaube so heisst Sie) mit. Diese Olga und Ihre Familie werden wir evtl. später besuchen und sie bei dieser Gelegenheit zum Essen einladen.

Noch etwas zum Wetter und zum Klima: Ich mag es heiss und feucht. Also kein Problem für mich. Allerdings habe ich bis jetzt nur den wunderbaren Abend und den angenehm "kühlen" Morgen erlebt. In der Nacht ca. 22° und am Tag angeblich ca. 36° - wir werden sehen......

Blick von meinem "Sabbatical Zuhause"

 

26.7.22

Mein Zimmer und die Aussicht vom Haus - 26.7.22

26. Juli 2022 - 2pm

Eben bin ich zurück gekommen von einem Spaziergang mit Peter durch die Nachbarschaft. Gefühlt bin ich am anderen Ende der Welt angekommen. Die Menschen leben in sehr einfachen Behausungen und leben von wenig bis nichts. Und doch ist der Ort hier reich. Ich sehe Avocadobäume, Bananenbäume, Mangobäume - Früchte ohne Ende. Die Natur gibt hier sehr viel her. Peter begrüsst die Menschen beim Vorbeigehen in ihren unterschiedlichen Behausungen. Direkt neben uns lebt eine Familie ziemlich im Dreck. Eine andere Familie die wir begrüssen lebt sehr arm in einer kleinen Blechdachbehausung. Die Mutter berichtet von ihrem Sohn. Peter übersetzt mir später, dass der Sohn krank ist und viele Medikamente braucht. Die Menschen sind sehr herzlich und freuen sich darüber Peter wieder zu sehen. Wie ich später erfahren habe, kennen die meisten Kinder aus der Nachbarschaft die Finca, mit der Schule und den Projekten. Auf dem Dorfplatz kaufen wir im "Dorflädeli" ein Presidente (das hier übliche Lagerbier) und plaudern mit einigen bekannten Gesichtern. Die Stimmung ist herzlich und die Begegnung mit Olga berührt mich. Eine sehr starke und wie mir scheint wichtige Person in der Familie und in der Gegend. Sie bringt uns selbst gemachtes Eis im Plastikbeutel. Ihr Mann hat gerade einen neuen Herzschrittmacher bekommen und so wie ich verstanden habe hat eine Ihrer Töchter ein Kind bekommen - es musste bereits im 6. Monat raus. Mehr habe ich nicht verstanden! 

 

So nach einer feinen Pasta mache ich mich ans Schreiben, Peter macht Siesta und wir warten bis Lice von der Arbeit auf der Finca zurück ist. Ich nutze die Zeit für einen Kurzen Videocall mit meiner Familie. Heute planen wir noch einen kleinen Ausflug nach San Cristóbal, der gleichnamigen Stadt im Bezirk San Cristóbal. Bis gleich!

 

Bild: ca. 20 cm lange Echse auf dem Geländer der Dachterrasse im Haus in Hatillo

26.7.2022 - 4pm

Bevor es los geht auf den Ausflug habe ich einen Teil des mitgebrachten Materials für den Transport auf die Finca bereit gemacht.

27.7.2022 - 10am

Guten Morgen!

Mein Tag/ Nacht Rhythmus ist noch immer ein wenig durcheinander. Ab 5 Uhr morgens bin ich eigentlich wach. Aber es wird besser.

Der geplante Ausflug von Gestern Nachmittag/ Abend hat dann doch nicht stattgefunden. Es wird mir hier nicht empfohlen alleine herumzuspazieren. Unser Fahrer war leider schon vergeben und so blieben wir im Haus in Hatillo. Wir kochten uns "Patatas", ein Stück Fleisch und Salat und nutzen dann den Abend um zu Planen. Wir planen einen 3 tägigen Workshop Block in der nächsten Woche und einen 4 tägigen Workshop Block eine Woche später. Wir kooperieren mit den Angeboten der staatlichen Schule und werden deren Angebote nächste Woche besuchen und vielleicht mithelfen. 

 

Wunderbar - gerade beobachte ich von der Dachterrasse einen knall grünen kolibriähnlichen Vogel. Ich warte bis er wegfliegt, damit ich sehen kann ob es ein Kolibri ist oder nicht. Denke JA - ein Kolibri!

 

Heute holen wir die Pizzaeinladung nach. Wir treffen uns gegen Mittag auf dem Dorfplatz. Bei Chichi (so heisst der Dorfladen und die gleichnamige Geschäftsführerin). Unser Taxi wird uns dann auf die Finca bringen. Ich freue mich darauf. Später werden wir gemeinsam mit Lice einen Grosseinkauf erledigen und Bargeld organisieren. Den Teig für die Pizza haben wir bereits vorbereitet. So ich muss los...Ach noch was; am Freitag fahren wir für 2 Tage ans Meer!

Bis später

27.7.2022 - 5 pm

Ich bin seit knapp einer Stunde wieder zurück im Haus. Puh! Tausend Eindrücke von den Strassen in Hatillo und einen fantastischen ersten, kurzen Einblick in die Finca, nehme ich mit zum Pizza machen. Gleich gehts los. Hier einige Eindrücke von der Finca und von San Christóbal. Bis später!

28. 7. 22. - 11am 

Ä guete Dag! Wieder bin ich seit ca. 6 Uhr auf den Beinen. Mit Ausschlafen ist noch nichts!

Das geplante Pizzaessen mit der Familie von Olga war sehr schön. Ich amüsiere mich, weil ich offenbar bereits gut mit Unpünktlichkeit klar komme. Unsere Gäste kamen pünktlich eine Stunde zu spät. Ich bin also bereits ein wenig angekommen in der anderen Welt. 

 

Die Eindrücke von der Lebensrealität der Menschen hier und der Umstand, dass ich mich hier nicht einfach frei bewegen kann, geben mir Stoff zum Nachdenken. Wenn wir uns irgendwo hin bewegen dann holt uns Julian ab. Das ist wirklich ungewöhnlich für mich. Heute holt er uns um 4pm. Wir machen einen Ausflug in die Altstadt von Santo Domingo bis in den Abend hinein. Übrigens wenn ich von Lice rede, dann ist damit die verantwortliche Person des Wohn und Gästehauses hier in Hatillo und auch der Finca gemeint. Sie ist die wichtigste Verbindungs - und Vertrauens Person von Peter Reimer. Mit Peter Reimer ist mein Schwiegervater und der "Vater" des Projekts gemeint. Bis später - wir müssen noch Schulden bei Chichi begleichen!

bis später...

 

Freitag 29.7.22 - 9am

Guten Morgen!

Nach dem Ausflug von gestern Abend ins historische Zentrum von Santo Domingo, geht es heute ans Meer. Wir nehmen uns noch eine 3 tägige Auszeit am Meer, bis wir dann mit den konkreten Arbeiten rund um das "Tages Campamento" beginnen. Ich freue mich auf die Kinder und die Finca. Aber jetzt gilt es erst mal zu Packen für den Ausflug ans Meer. Es steht also ein klassisch touristischer Ausflug an. Aber nach 5 Tagen Hatillo kann ich ein wenig Tourismus ertragen. Auf dem Bild seht ihr die Kathedrale von Santo Domingo am Plaza de Colòn. In der Mitte erinnert ein Denkmal an Christoph Kolumbus. Seit 1990 zählt die Altstadt von Santo Domingo und die älteste Kathedrale des Amerikanischen Kontinents zum UNESCO - Weltkulturerbe. 

Auf dem Bild rechts, die Fähre nach Puerto Rico

Samstag, 30.7.22 - 2pm

Heute geniessen wir den endlosen Strand von Las Terrenas im Nordosten der Insel. Das Wetter entspricht mir sehr. Immer weht ein leichter Wind und die Temperaturen sind hoch, aber durch den Wind und das Wasser sehr angenehm. Nach der Siesta gibt es eine Partie Domino am Strand. Ich habe dieses Spiel bisher nie gespielt. Lice ist leider sehr gut. Mein Ehrgeiz hat mich gepackt und ich will heute einmal gewinnen. Bis bald!

Bilder unten: Playa Punta Popy, bei Las Terrenas

Montag, 1.8.22 - 5pm

Wir haben den karibischen Traum von Las Terrenas hinter uns gelassen und sind gestern Abend wieder heimgekehrt ins Haus in Hatillo. Wir sind mit dem öffentlichen Car gereist. Um 2 pm war die geplante Abfahrt. Weil der Bus aber bereits eine Viertelstunde früher rampenvoll war, fuhr der Bus halt früher ab. Das war für uns allerdings kein Problem. Wir fuhren bis zur  Umfahrungsstrasse von Santa Domingo, wo uns Julian, unser Fahrer abholte. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich am Ende meiner Zeit hier, nochmals nach Las Terrenas zurückkehren werde. Auf dem Bild seht ihr die Busstation auf der Umfahrunsstrasse. 

Montag, 1.8.22 - 5.30pm

Ich sitze auf der Dachterrasse und schreibe. Heute haben wir den ersten Sportmorgen auf der Finca organisiert. Von ca. 9 bis ca. 12 Uhr. Morgen soll es etwas früher beginnen, weil die Hitze ab 11 Uhr eigentlich keinen Sport zulässt. Ich habe heute knapp 20 Kinder kennengelernt. Mit meinem sehr sehr bescheidenen Spanisch habe ich mich mit Händen und Füssen und mit dem Handy mit ihnen unterhalten. Es ist gut, dass die Gruppe noch nicht so gross ist. In der nächsten Woche erwarten wir dann viel mehr Kinder. Das lässt sich gut organisieren, weil wir dann nur mitleiten. Die Hauptleitung haben dann die verantwortlichen Personen hier. Ich habe ja doch einige Erfahrung in Begegnung mit - und in Begleitung von Kindern. Nach meinem ersten Tag würde ich behaupten, dass die pädagogischen Herausforderungen beim Leiten von Gruppen hier die gleichen sind wie zu Hause. Wenn man dann noch eine Ahnung von den kulturellen und sozialen Gegebenheiten vor Ort hat, dann passt das gut! Weitere Bilder von meinem 1. Tag mit den Kindern folgen. Bis bald!

...übrigens auf dem Bild seht ihr die Kinder beim Pausemachen: Mangosaft und "Crackers"

Dienstag, 2.8.22 - 4pm

Das heutige Training auf der Finca mit den Kindern startete wie geplant etwas früher. Es ist sehr heiss heute. Fussball ist für die meisten Kinder etwas ganz Neues. Der Nationalsport in der Dom. Republik ist Baseball. Ich habe versucht Ihnen beizubringen, wie wichtig der Teamgeist und das Passspiel im Fussball ist. Naja - das ist mir nur beschränkt gelungen. Die Kinder haben bei jeder Gelegenheit den Schatten gesucht und in den Pausen haben sie mich mit Fragen überhäuft.  Die Fahrt mit dem Töff (heute sind wir zu dritt auf dem Töff gesessen) vom Haus in Hatillo bis zur Finca, führt an einer Gegend vorbei, die etwas unheimlich ist. Drei junge Männer, mit Kampfhunden an der Leine, haben mir "El Americano" nachgerufen. Als weisser Mann bin ich für die Menschen hier "El Americano". Das muss ja nichts Negatives bedeuten. Mit America ist eigentlich die USA gemeint. Offenbar das grosse Traumland für viele Menschen hier. Jetzt bin ich auf der Finca und mache eine lange Siesta. Am Abend kommt Rafael, der Präsident von Rayitos (die Stiftung hier vor Ort) zum Essen und morgen früh gehts weiter mit der Arbeit auf der Finca. 

Bis bald

...die Bilder sind vom heutigen Training auf der Finca

Sonntag 7.8.2022

5 Tage später! Ich bin heute am späten Nachmittag von der ersten Reise in den Süden zurückgekehrt. Vermutlich vom gestrigen Fischessen am Strand, südlich von Barahona, habe ich doch noch irgend einen "Magendarmkäfer" aufgelesen. Der Fisch war frisch; das habe ich selbst gesehen. Der kam direkt vom Meer in die haitianische Feldküche. Egal. Ich bekam von der Familie hier in Jaquimeyes eine runde, grauschwarze Pille; sie sah aus wie ein kleiner runder Stein. Das genügte für die Rückreise, welche wirklich anstrengend war. Die krass laute Musik im Bus und das dauernde "Gefresse" der Reisenden war schon eine erhebliche Belastung für meine leicht angeschlagene Gesundheit. Aber langsam der Reihe nach:

Am Mittwoch waren wir wieder auf der Finca mit den knapp 3 Stunden Sport am Morgen. Als Erfolg bezeichne ich das letzte Spiel vor dem Ende am Mittag. Während ca. 30 Minuten kämpften die Mädchen gegen die Jungs, um den Ball und gegen die Hitze. Ein intensives Hin- und Her endete mit einem knappen Sieg der Mädchen. Das war irgend etwas ähnliches wie Fussball! Dafür gab es ein Glas frischen "Bonus Mango Saft" und alle waren irgendwie zufrieden. Der Mittwochnachmittag plätscherte dann so dahin mit viel Dominospielen, Essen und rechtzeitig Schlafen. Stand uns doch am frühen Donnerstag Morgen eine anstrengende Reise nach Jaquimeyes bevor, einem kleinen Vorort von Barahona, in der gleichnamigen Provinz. Die Reise begann mit einem lauten Knall. Der Reifen eines Lastwagen explodierte direkt unter einer Autobahnunterführung. Direkt an der Autobahn warteten wir nämlich auf unseren hier vorbeifahrenden Bus. Das waren lange 40 Minuten; aber der Bus kam und schliesslich kamen wir im Haus von Freunden, in Jaquimeyes an. Die Familie begrüsste uns mit einem frittierten Fisch, Bananen und Reis mit so einer Art Linsen....Al........; ach - ich hole das nach. Ich kann mir den Namen nicht merken. Die Familie lebt in einfachen Verhältnissen. Das Leben hier ist etwas ruhiger und nicht ganz so arm und gefährlich wie in den Vororten der Hauptstadt. Von hier aus machten wir verschiedene Ausflüge. Mit einem Fahrer verbrachten wir einen ganzen Tag am   Lago de Enriquillo, dem grössten See der Antillen. Er liegt heute ca. 40 bis 80 Meter (unterschiedliche Quellenangaben) unter dem Meeresspiegel. Auf der Reise rund um den See passierten wir die haitianische Grenze. Wir verbrachten eine kurze Zeit in der sogenannten "Neutralen Zone", zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik. Immer wieder machten wir Halt in Süsswasserbecken. Das Wasser war angenehm frisch hier und die perfekte Abkühlung um die Hitze besser ertragen zu können. Später lernten wir die hier noch ansässigen Nashornleguane kennen. 

Den zweiten Tag verbrachten wir am Meer und es gab herrlichen Fisch dort. Aber eben hier schliesst sich der Kreis. Jetzt liege ich auf der Terrasse im Haus in Hatillo - es ist kurz vor 7pm - immer wieder mal auf dem WC. Das kommt schon wieder. Gute Nacht

Mittwoch - 10.8.22 - 16pm

Das Campamento der Stiftung "Raytos de Solidaridad" läuft!!! Die Kinder kommen jeden Morgen aus der näheren Umgebung auf die Finca. Es sind Kinder im Alter zwischen 4 und ca. 16 Jahren. Der 1. Tag wurde nur von der "Casa de la Cultura de Haina" gestaltet. Verschiedene Musikgruppen und Tanzgruppen traten auf und ein grossartiger Animator moderiert jeweils sehr engagiert und erfolgreich. Er kann die Kinder immer wieder in seinen Bann ziehen und so deren Aufmerksamkeit bündeln. Wir reden hier oft von der dominikanischen "Besenstiel Pädagogik". Ich beschreibe diese Pädagogik ungefähr so: Die Kinder hier sind einen ziemlich groben Umgang mit viel Disziplin von den Eltern und den Lehrern gewohnt und funktionieren auch danach. Das steht natürlich in direktem Zusammenhang mit den sozialen Gegebenheiten in denen die Kinder und deren Eltern aufwachsen oder aufgewachsen sind. Darum der Begriff "Besenstiel Pädagogik". Da hat es nicht viel Platz für Kuschelpädagogik oder Befindlichkeitsrunden. Dies ist nur eine Seite. Viele Kinder hier reden förmlich mit ihrem Körper. Sie bewegen sich rund und tanzend. Auch hier gibt es eine andere Seite. Viele Kinder sind mangelernährt und bewegen sich zu wenig. Auf jeden Fall werden die Kinder auf der Finca ernst genommen und sie bekommen Aufmerksamkeit. Es freut mich sehr wie hier gekocht wird für die Kinder. Viele Lebensmittel kommen aus dem eigenen Garten. Avocados, Mangos, Auberginen, Peperoni, Tomaten, Orangen und vieles mehr. Die eigene Fischzucht bringt den Fisch. 

Zurück zum Campamento. Am 2. Tag sind die vielen jungen Helfer*innen von der Casa de la Cultura de Haina weiterhin die tragenden Figuren. Sie bieten Workshops an und beaufsichtigen die Kinder. Es sind viele junge, freiwillige Helfer*innen die im Kulturhaus Unterricht bekommen und dafür beim Campamento mithelfen. So interpretiere ich das auf jeden Fall. Leider bin ich immer noch nicht wieder ganz fit. Darum reichen mir die 2 bis 3 Stunden Sport am Morgen. Um 13 Uhr ist es für Sport hier ohnehin zu heiss. Die folgenden Bilder geben einen Einblick ins Campamento Leben. Noch steht uns ein Tag wie heute bevor. Am Freitag dürfen die Kinder dann in ein Schwimmbad gehen mit Transport und Verpflegung. Gespendet von den Menschen in Reinach, von den Einnahmen vom Suppentag und von dem Batzen der Reformierten Kirchgemeinde. Merci tuusig!

Sonntag - 14.8.22 - 6pm

Nach knapp einer Woche bin ich wieder fast ganz fit! Ich kann wieder Essen was ich will und dies tut mir wahrlich gut. Ich bin also wieder voll beieinander und bereit für die letzte Reise in den Süden. In das Paradies der Karibik, wie ich finde. Ich freue mich sehr. Morgen früh um 7 Uhr werden wir von Julian abgeholt. Nach einer ca. 6 stündigen Reise wird er uns in im einzigen Hotel direkt an der "Bahía de las aguila" im "Parque Nacional Jaragua" abladen. Julian wird uns in den 4 Tagen an der Seite bleiben und mit uns die Schönheiten der Umgebung erkunden. Vor allem aber freue ich mich auf den Strand und das Meer und etwas Ruhe. Jetzt mache ich aber nochmals einen Blick zurück: Der Donnerstag und der Freitag waren die letzten beiden Campamento Tage. Am Donnerstag  war aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme nur ein kurzer Einsatz möglich. Am Freitag ging es mir bereits etwas besser und ich konnte beim Abschlusstag mit dabei sein. Wie angekündigt, organisierten die engagierten Leute hier einen Badi Tag. Wir konnten für einen Tag die Villa mit Pool eines Herrn aus der Stadt mieten. Nur ein kleiner Platzregen gleich am Anfang beim Gruppenfoto brachte etwas Hektik in diesen Tag. Ansonsten war es ein wirklich toller, lebendiger Tag mit Baden, Musik, Tanz und einer herrlichen Pizza am Mittag. Die Kinder - viele können nicht schwimmen - genossen das friedliche Plantschen im Wasser. Es war ein perfekter Abschluss einer intensiven Woche. Immer noch bin ich begeistert von der ganzen Crew, welche mit so viel Energie und Freude an der Arbeit war. Ihre Energie steckte alle an und vor allem hielten sie durch bis am Schluss. 

Am Samstag erholten wir uns am Morgen von der Woche und machten nichts. Um 16:00 Uhr holte mich Rafael ab. Wir fuhren mit seinem Auto durch die Stadt.  Er zeigte mir Alles. Er ist in Santo Domingo aufgewachsen und wohnt mitten in der Stadt, ca. 100 Meter entfernt vom Palast des Präsidenten. Irgendwann im Kultur und Museumsviertel parkierten wir sein Auto und stiegen um in die Metro. Mit der Metro fuhren wir zur Seilbahnstation welche ergänzend zur U-bahn für viele Menschen ein wichtiges Transportmittel ist. Auf der ca. 50 minütigen Rundfahrt bekommt man einen Überblick über die verschiedenen Stadtteil und man sieht die grossen Armenviertel am Fluss. Wenn es einmal etwas stärker regnet, dann stehen die Leute in ihren Behausungen im Wasser. Wieder zurück beim Auto, fuhren wir ans Meer um etwas kleines zu Essen. Nach einem kurzen Abstecher in die Altstadt, in ein paar interessante Kulturhäuser, fuhr er mich wieder zurück nach Hatillo. Nach dem heutigen Ruhetag und dem FCB Match am Radio (was fürä Seich!!!) muss ich heute Abend noch packen und alles bereit machen für unseren Trip in den Süden. Ä guetä Wuchestart!

Freitag - 19.8.22 - 10pm

Wir sind wieder zurück. Nach einer langen Reise aus dem Süden - heim, nach Hatillo. Hier ein, zwei Bilder. Der Text und mehr Bilder folgen morgen.

Sonntag - 21.8.22 - 5pm

So - nur noch zwei Tage bin ich hier. Jetzt rennt die Zeit. Das ist nicht schlimm. Ich freue mich auf die Heimreise; auch wenn mich der Wechsel vermutlich etwas durchschütteln wird. Die letzten Stunden hier verbringe ich mit viel Lesen und Schreiben, mit letzten Besuchen und mit dem Besorgen von kleinen Souvenirs für meine Lieben zu Hause. Und natürlich mit dem Bad in der Sonne, wenn es denn nicht gerade so viel regnet wie heute. Ich verliere so ein wenig das Gefühl von der Zeit und bin allmählich wirklich gut im Nichtstun. Ich geniesse meine verbleibende Zeit und kann nicht leugnen, dass ich mit einigen Gedanken bereits wieder in der anderen Welt bin. Auch das ist gut so. 

Die folgenden Bilder sind eine Zusammenfassung unserer fast 5 tägigen Reise in den Süden. Es ist die Gegend, welche es mir besonders angetan hat. Die Natur hat hier an einigen Orten noch Ruhe vor dem Menschen. Es scheint mir als stünden einige Tiere hier in einer anderen Distanz zum Menschen, erleben ihn nicht als Bedrohung. Die Vogelwelt ist sehr reich und vielseitig: Vom Albatros bis zum Kolibri, vom Pelikan bis zum Flamingo, vom Adler bis zum Geier und vom karibischen Specht (oder heisst er Haitispecht) bis zu verschiedenen Sittichen und Viele mehr. Auch einige interessante Insekten durfte ich kennen lernen, was mich nicht nur gefreut hat. Verschiedene Echsen und Frösche leben mit uns im Haus in Hatillo. Ich durfte in meiner Zeit hier sehr viel über dieses Land erfahren und konnte mir ein Bild zur Geschichte und der eng damit verbundenen Kultur dieses Landes machen. Ohne mich gross darauf vorzubereiten bin ich hier her gereist. Vieles hatte ich mir ursprünglich vorgenommen. Ich wollte bspw. mein Spanisch auf ein gutes Niveau bringen bevor ich hier her reisen würde. Ich wollte mich einlesen in die verschiedenen Gegebenheiten des Landes. So wie ich dies eigentlich gerne mache, wenn ich Grösseres vor habe. Es sollte nicht sein und so schlitterte ich in dieses Abenteuer von null auf hundert. Und auch das war gut so.

Ich vertraute meinen beiden ortskundigen Begleitern, Peter und Lice. Ihnen klebte ich an der Backe und ich liess mich einfach mitnehmen. So ganz und gar nicht nach meinem gewohnten Alltagsmotto. An dieser Stelle bedanke ich mich herzlich für die wertvolle Zeit, für die persönlichen Einblicke und für die grosszügige Gastfreundschaft die ich hier erfahren durfte. Ich war für eimal nicht der grosse Ideenbringer, Gestalter und Gastgeber. Ich nahm auf was ich erleben durfte und war zufrieden damit. Es war mir eine Freude mich auf Dies und Das einlassen zu dürfen. Ruhetage - viele Stunden des Nichtstun waren mir eine Bereicherung. Ich werde die Terrasse auf dem Dach im Haus in Hatillo nie vergessen. Hier konnte ich üben für mich und bei mir zu sein. Ich werde vermutlich nie im professionellen Bereich des Nichtstuns und des Abschalten tätig sein. Den Kontakt zu meinen Liebsten hielt ich per WhatsApp stets aufrecht. Aber auch das war gut so für mich. So, jetzt ist es Zeit. Vielleicht werde ich mich noch einmal kurz hier melden. Gut möglich aber, das dies mein letzter Beitrag sein wird. Ich grüsse also ein letztes mal aus der Karibik und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit euch.